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» 04.06.2008 08:28: Die richtige Anwendung der Charttechnik

Die allermeisten interpretierten Dax-Charts, die Sie im Internet finden, sehen in etwa so aus:

Gegen diese Chartdarstellung ist eigentlich auch gar nichts einzuwenden. Sie sehen den Dax als Candlestick-Chart, brav hinzugefügt wurde eine schwarze Linie als Aufwärtstrend. Dazu wurde noch die obere grüne Begrenzung als ein wichtiger Widerstand eingezeichnet (klar, ist ja auch das letzte Hoch), analog sehen Sie unten die rote Unterstützung (= Jahrestief).

 

Um das Ganze zu garnieren wurden noch 20-Tage- , 50-Tage- und 200-Tage-GD eingezeichnet. Der MACD (steht auf Verkauf) ist die Kirsche obendrauf auch wenn sie keiner essen will bzw. weiß, warum sie gerade dort liegt.

 

Wie gesagt, alles ordentlich. Bei hinzugefügten Interpretationen finden Sie dann häufig ultragenaue Kursziele wie 6.906 Punkte oder 7.138. Als Charttechniker kann man sich sicherlich die ein oder andere genannte Zahl zusammenreimen (6.906 ist zum Beispiel das letzte Mai-Tief auf Tagesbasis). Aber beurteilen Sie selbst:

 

Was bringt Ihnen als Betrachter der Chart in dieser Form? Was können Sie daraus schließen?

 

Verkaufen, wenn die schwarze Aufwärtstrend-Linie nach unten gebrochen wird?

 

Nein, denn die Steigung der schwarzen Linie entspricht einer jährlichen Rendite von 78%. Es ist also ohnehin sehr unwahrscheinlich, dass diese Linie auf Dauer hält

 

Kaufen, wenn der 20-Tage-GD nach oben durchbrochen wird?

 

Möglich, als Kurzfrist-Trader wäre dies für Sie ein kleiner, interessanter Hinweis. Als mittelfristiger Anleger ist die Aussage-Kraft aber genauso gut wie die 17-, 28- oder 34-Tage-Linie, mithin fast hinfällig.

 

Wie gesagt, die obere Darstellung ist eine „saubere" Darstellung, für sich alleine gesehen aber ohne großartige Aussagekraft. Wie könnten wir den Chart aber etwas anders darstellen?

 

Zunächst einmal: Ich werde Ihnen in den seltensten Fällen genaue Zielpunkte für Rallies oder Korrekturen nennen. Nach 14 Jahren Charttechnik weiß ich einfach, dass dies kaum bis gar keinen Sinn macht (es sei denn, Sie sind professioneller Day-Trader und bewegen sich in einer sehr engen Range, um via CFDs oder Futures 5, 10 oder gar 20 Dax-Punkte mitzunehmen aber das ist ein anderes Thema).

 

Das Kanal-Denken und interne Trendlinien

Hier der gleiche Chart, im selben Zeitraum, in einer etwas anderen Darstellungsform:

Essentiell in diesen Linien-Chart ist der rot gestrichelte Trendkanal, der wiederum aus internen Trendlinien besteht. Interne Trendlinien sind ganz einfach - neben den herkömmlichen Trendlinien wie die schwarze Aufwärtstrendlinie im oberen Chart - Hilfslinien, die eine einfache Interpretation erlauben.

 

Die wichtigere der beiden rot gestrichelten Linien ist die untere, die einen leichten Aufwärtstrend manifestiert. Die Steigung dieser Linie entspricht einer jährlichen Rendite von ca. 20%. Ich denke, 20% Jahresrendite im Dax ist eine Hausnummer auf der konservative Betrachtungen gründen können; auch weil die Linie genau an einem markanten Tief startet:

 

Wie Sie im Chart erkennen, beginnt diese Linie am Januar-Crash-Tief. Dies erscheint sinnvoll, weil all die institutionellen (und auch privaten) Anleger zu diesem Zeitpunkt ausgestiegen sind, die auch raus wollten bzw. mussten. Kurz danach (Ende Januar und im Februar) sind insbesondere viele Institutionelle wieder eingestiegen und sorgten für eine kurze Rally, bis weitere Unsicherheiten im Hinblick auf die Finanzkrise die zweite „Crash-Welle" bescherte, die sich bis Mitte März zog.

 

Panik und Angst

Vergleichen wir: Die erste Crash-Welle im Januar war Panik. Alle wollten raus, fallende Kurse sorgten für weiter fallende Kurse. Hauptsache weg mit den Aktien und womöglich noch Gewinne aus günstigen Einstiegen im Vorjahr sichern.

 

Die zweite Welle Ende Februar bis Mitte März war geprägt von Angst. Millionen von Groß- und Klein-Anlegern weltweit fragten sich und fragen sich heute noch: Ist die Finanzkrise jetzt vorbei? Ist sie in den Kursen eingepreist? Die vorher neu eingegangenen Positionen wurden hinterfragt. Erschwerend hinzu kam die Angst der schon länger Investierten, die im Januar nicht ausgestiegen waren und sicherheitshalber einige Aktien auf den Markt warfen. Angst und nervöse Märkte begleiteten diese Börsenphase.

 

Damals riet ich meinen Lesern, erste - wirklich spekulative - Engagements einzugehen, wenn im Dax die 6.500er Marke überboten wird. Perma-Bären dagegen verkündeten weiterhin knallharte Schauergeschichten über den Untergang der westlichen (Finanz-)Welt.

 

Und was machen wir im Chart mit dieser Phase? Durch das Anlegen der roten, internen Trendlinie blenden wir ebenso knallhart diese „Übertreibung nach unten" einfach aus. Damit erhalten Sie meines Erachtens eine Linie (oder auch einen Trendkanal), an dem Sie sich sinnvoll orientieren können.

 

Darüber hinaus hat der Widerstand beim letzten Hoch (7.225 Punkte) eine gewisse Relevanz. Entscheidend ist aber meines Erachtens nicht dieser Widerstand, der auch bei 7.198 oder 7.235 liegen könnte, sondern zunächst einmal der Kampf um die 7.000. Genau an dieser Stelle wird die wirkliche Schlacht zwischen Bullen und Bären geschlagen. In der Bullen-Variante ist dann das Überwinden der 256-Tage-GD die nächste wichtige Hürde. Auf den 256-Tage-GD (nicht 200 Tage) werde ich in einer der nächsten Ausgaben eingehen.

 

Zwei Dinge sind klar:

1.) Die Anleger dieser Welt haben sich nicht verschworen, um dem Dax im Februar / März genau diese Kursentwicklung aufzubürden. Natürlich hat sich der Dax, vielmehr die Anleger, an den Weltbörsen orientiert. Schauen Sie sich hierzu die Entwicklung im Dow Jones an:

 

Erkennen Sie die parallele Kurs-Entwicklung zwischen Dow Jones und Dax? Auch hier ist ein interner Trendkanal eingezeichnet, dieser hat mit 11 % übrigens eine noch konservativere Steigung (=jährliche Rendite) als der Dax.

 

2.) Charttechnik ist keine genaue Wissenschaft. Einige Charttechniker werden jetzt vehement widersprechen. Aber nehmen Sie zehn dieser Charttechniker und Sie erhalten zehn verschiedene Meinungen.

 

Es ist vielmehr so, dass Charttechnik zum kleinen Börsen-Einmaleins gehört. Das können nun auch die Anhänger der Fundamental-Technik drehen und wenden, wie Sie wollen. Die Grundlagen der Charttechnik sollte jeder Börsianer „drauf" haben (und Charttechnik ist ja auch nicht unbedingt ein Buch mit sieben Siegeln).

 

Die Interpretationsmöglichkeiten der Chartanalyse lassen einen gewissen Spielraum zu, je tiefer Sie in die Materie einsteigen. Aber oberstes Ziel der Charttechnik ist es, gewisse Wahrscheinlichkeiten - die eben für oder gegen einen Aktien-Einstieg sprechen - auf seine Seite zu ziehen. Und das Einzige, was hierbei zählt, ist schlussendlich der Erfolg, den Sie mit der einen oder anderen Chart-Herangehensweise erzielen.

Morgen mehr zum 256-Tage-GD und zum Dow Jones, der wie Sie im Chart sehen an einer wichtigen Marke liegt.

Quelle: Investors Daily


 

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