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» 21.05.2008 09:32: Jetzt wird es spannend

von Jochen Steffens

...sehr spannend. Der Nasdaq100 hat genau das mögliche „False Break" generiert, vom dem ich gestern gesprochen habe:

Chart

Sie sehen, die Spitze der Kerze reicht über die Kurslücke (grünes Rechteck) hinaus, anschließend ist der Kurs gefallen und der Schlusskurs lag sogar unter der unteren Linie. Das kann nun der Anfang einer Konsolidierung werden.

Gestern erhielt ich eine Mail, in der mich ein Leser aufforderte, klarer Stellung zu beziehen, kommt nun der Ausbruch oder gibt es eine Konsolidierung.

Aus diesem Grund versuche ich heute einmal die Psychologie hinter den aktuellen Geschehnissen deutlich zu machen.

Gründe für den Anstieg

Wir haben in den letzten Wochen trotz hoher und weiter steigender Ölpreise einen stark steigenden Nasdaq100 gesehen. Die Anleger setzten hier zunächst auf den Effekt der niedrigen Zinsen im Zusammenhang mit einem Erholungspotenzial nach dem Crash.

Natürlich wird in einer solchen Situation lieber in den Nasdaq100 investiert, da hier in der ersten Phase eines Anstiegs höhere Gewinnsteigerungen möglich sind.

Steigende Kurse verursachen gerne weiter steigende Kurse, die bessere Nachrichten verursachen etc., und schon entsteht ein Trend.

1. Verkäuferschicht / das Gap

Natürlich haben nicht nur wir hier im Investor's Daily dieses obere Gap gesehen, dass sich im Nasdaq100 gebildet hat. Sicherlich rechnete eine Vielzahl von Anlegern damit, dass dieses Gap geschlossen wird, sobald der Kurs in die Nähe dieser Marke kommt.

Es wird also eine gewisse Menge von Anlegern geben, die lediglich gekauft hatten, um auf diesen Gap-Schluss zu traden. Deren Kursziel ist erreicht, diese wollen die Gewinne eintüten. Das ist die erste Verkäuferschicht, die im Bereich des Gaps verkaufen, nämlich dann, wenn man intraday erkennen kann, dass es nicht mehr weiter aufwärts geht. Diese Verkäufe drücken die Kurse nach einem kleinen Spike wieder in die Knie. Genau das haben wir gestern gesehen.

2. Verkäuferschicht / der Widerstand

Es gibt aber noch eine zweite Verkäuferschicht. Diese verhalten sich so, wie ich es gestern geschrieben habe. Sie verkaufen Teilpositionen an dieser Marke, um notfalls umzuschichten oder aber bei weiter fallenden Kursen Druck aus dem Depot genommen zu haben. Sie sehen in dem Gap einen „Widerstand" für die Kurse.

Zu diesen gesellen sich heute diejenigen, die ein Umkehrsignal erkannt haben wollen. Dazu passt besonders der S&P500.

Chart

Dieses große Doji (kreuzförmige Kerze) in einem sich verjüngenden Trend (Keilform) ist aus charttechnischer Sicht ein gefährliches Warnzeichen. Anleger werden dieses erkennen und verkaufen, wenn das untere Ende des Dojis nach unten aufgelöst wurde (was heute bereits geschehen ist). Doch erst beim nachhaltigen Bruch der unteren Linie des Keils wird dieses Verkaufssignal auch bestätigt! Auch in diesem Fall werden wir wieder starken Verkaufsdruck erkennen.

Fallende Kurse führen zu fallenden Kursen

Die dritte Verkäuferschicht reagiert erst auf weiter fallende Kurse und wird dann ihre Positionsgrößen anpassen, beziehungsweise auf Nachrichten warten, die entweder ermutigen oder den Finger endgültig zum Verkaufsbutton bringen.

Und damit sind wir nun bei dem entscheidenden Punkt:

All das sieht danach aus, als hat gestern tatsächlich eine Konsolidierung begonnen. Die Wahrscheinlichkeit ist vergleichsweise hoch. Doch wir haben bisher einen Aspekt vollkommen außen vorgelassen, die Bullen.

Warum bewegen sich Kurse?

Damit die Kurse fallen, müssen mehr Anleger sich „schneller" von Aktien trennen wollen, als Anleger Aktien erwerben wollen. Jede Aktie, die verkauft wird, wird auch gekauft. Es gibt also niemals, wie man es allgemein ausdrückt, mehr Verkäufer als Käufer am Markt, die Anzahl dieser beiden Gruppen bleibt zueinander gleich (zumindest was die Anzahl der Aktien anbetrifft. Ich werde diese Formulierung aber sicherlich auch weiter benutzen, sie hat sich so eingebürgert.)

Verkaufsdruck

Es kommt tatsächlich unter anderem darauf an, wie schnell die jeweiligen Parteien ein- oder aussteigen wollen / müssen. Je größer der Druck ist, aus / in eine/r Position aus- / einzusteigen, desto eher ist die jeweilige Partei bereit, zu immer schlechteren Kursen ihren Handel zu vollziehen. Bleiben wir, um das deutlich zu machen, bei den Verkäufern:

Sie können natürlich eine Verkaufsorder in den Markt legen und hoffen, dass Ihnen jemand diese abkauft. Wenn die Kurse in der Zeit jedoch weiter fallen, werden Sie schnell die Verkaufsorder nach unten anpassen, sofern Sie befürchten müssen, dass die Kurse das ehemalige Verkaufsniveau nicht mehr erreichen. Kurz, Sie müssen den Kurs nach unten korrigieren, das entspricht in etwa fallenden Kursen.

Die Käufer werden natürlich in so einer Situation das gleiche tun und auch die Kurse nach unten anpassen, weil sie bei fallenden Kursen hoffen, einen besseren, weil billigeren Einstiegskurs zu bekommen.

Hinzu kommt, dass natürlich viele Ordern auch so einfach in den Markt gelegt wurden. Diese werden bei fallenden Kursen nach und nach abgefrühstückt. Da selbst diese Käufer zusätzlich dazu neigen, ihre Kauforder nach unten zu legen, sinken auch die Kurse von der Käuferseite aus gesehen.

Was die Kurse bewegt, ist also tatsächlich der Druck, die Notwendigkeit zu verkaufen / zu kaufen.

Ob es also zu einer Konsolidierung kommt und wie tief diese geht, hängt demnach zum einen davon ab, wie groß der Druck der Verkäufer ist, wie schlecht diese ihre eigene Position im Markt einschätzen. Es hängt aber auch davon ab, wie groß der Druck von Anlegern ist, doch wieder oder noch in den Markt zu kommen. Sprich, wie sehr die Bullen davon überzeugt sind, dass die Kurse bald mittel- bis langfristig wieder steigen werden.

Abnehmender Kaufdruck

Die Bullen werden in dem Anstieg der letzten Zeit immer mehr auf eben diese aktuelle Konsolidierung gewartet haben, und zwar weil ihnen die Kurse für einen Einstieg schon zu weit nach oben gelaufen waren. Das bedeutet, der Druck der Käufer, noch einzusteigen, wurde in den letzten Tagen niedriger. Viele haben einfach abgewartet, waren bereits investiert oder haben Kaufpositionen tiefer in den Markt gelegt.

Mit dem gestrigen Gap-Schluss wurde der Druck der Verkäufer durch die 1. Verkäuferschicht größer und war damit zum ersten Mal stärker, als der bereits abnehmende Druck der Käufer. Heute gesellt sich nun die 2. Verkäuferschicht dazu. Entscheidend wird aber sein, wie stark die 3. Verkäuferschichtist.

Ebenso wichtig ist, zu welchem Kursniveau der Kaufdruck der bullishen Anleger wieder deutlich zunimmt.

Nachrichten und das große Bild

Beides wird von weitern Nachrichten, aber auch von dem großen Bild der fundamentalen und konjunkturellen Rahmendaten abhängen.

Hier sollten wir herausfinden, welche Themen für die Anleger wichtig sind. Ein paar kennen wir: Ölpreis, niedrige Zinsen, Inflation, US-Wirtschaftswachstum und der Präsidentschaftswahlkampf bzw. der Wahlausgang.

Um herauszufinden, wie weit diese Konsolidierung gehen kann, müssen wir also (wie ich das im Investor's Daily meistens ausführlich mache) diese Aspekte in einen Zusammenhang bringen und „bewerten". Da helfen schlussendlich nur Erfahrungen und Wahrscheinlichkeiten.

Charttechnik, ein geeignetes Hilfsmittel

Daneben ist aber auch die Charttechnik ein probates Mittel, diese fundamentalen Betrachtungen zu unterlegen. So konnte ich gestern schreiben, dass an dieser Marke durchaus die Gefahr besteht, dass wir eine Konsolidierung erleben (Wenn, dann jetzt).

Wie groß wird die Konsolidierung?

Wie weit diese geht, bleibt eine Sache der Wahrscheinlichkeit. Ein Einfluss wird sicherlich sein, dass Barack Obama sich vielleicht schon in den nächsten Tagen als Präsidentschaftskandidat durchsetzt und Hillary Clinton langsam ihren Rückzug einleitet. Die US-Börsen haben Hillary Clinton bevorzugt, da man ihr eine gute Wirtschaftspolitik eher zugetraut hat. Obama ist, was Wirtschaftspolitik anbetrifft, ein zu unbeschriebenes Blatt für die Börsen. Börsen mögen keine Unsicherheit.

Vielleicht ist es demnach nicht verwunderlich, dass diese Konsolidierung ausgerechnet jetzt einsetzt. Obwohl ich das nicht überbewerten würde.

Don't Panic

Das charttechnische Bild hat sich im kurzfristigen Bereich zwar eingetrübt, aber noch ist nichts verloren. Es ist durchaus normal, dass es an solchen Marken zu Kämpfen zwischen Bullen und Bären kommt. Gerade hier werden gerne Fehlsignale generiert, so dass man diese Signale nicht überbewerten darf.

Trotzdem sollten wir nun höchste Vorsicht walten lassen und uns auf eine Konsolidierung einstellen, ohne jedoch in Panik zu geraten.

Noch sind die fundamentalen Grundvoraussetzungen bullish, noch müssen wir lediglich davon ausgehen, dass es eine normale Konsolidierung in einem Aufwärtstrend ist. Ob sich dieses Bild aber ändert, wird erst in den nächsten Tagen / Wochen entschieden. Mehr dazu, wie immer bald...

Quelle: Investor's Daily


 

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