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» 17.03.2008 18:04: Black Monday 2008

Siemens - 18 %, Hypo Real Estate - 11,5 %, Deutsche Börse -10 %, Commerzbank - 8 % usw.

Dax 4 % im Minus (Kurse 14.30 Uhr)

Ein dramatischer Tag heute. Folgendes hat diesen Einbruch verursacht:

Die sowieso schon angeschlagene US-Bank „Bear Stearns", wurde am Wochenende für 240 Mio. Dollar von seinem Konkurrenten J.P. Morgan Chase übernommen. Sie erinnern sich, ich hatte am 14.03.08 zu dem Chart von Bear Stearns geschrieben, dass er „schon gefährlich nach einem Insolvenz-Chart" aussieht.

Dass ich so schnell Recht bekommen sollte! Zwar hat Bear Stearns offiziell keinen Konkurs angemeldet, sondern ist übernommen worden. Doch 240 Mio. Dollar sind Peanuts für die fünftgrößte US-Bank. Analysten sagen, dass allein die Immobilien von Bear Stearns mehr wert sein sollen. Zudem sichert die Fed diesen Kauf auch noch mit einer Riskikoübernahme in Höhe von 30 Mrd. Dollar ab. Für J.P. Morgan sicherlich ein Schnäppchen, aber offensichtlich ging es auch darum, dass Bear Stearns von einer amerikanischen Bank übernommen wird.

Zwei Dollar je Aktie will J.P. Morgan für Bear Steans zahlen. Der letzte Kurs von Bear Stearns am Freitag lag noch bei 30,85 Dollar. Sie sehen, man kann auch mit „großen Aktien" quasi einen Totalverlust hinlegen. Hier hätte auch kein Stopp geholfen!

Fed senkt Diskontsatz und legt neues Kreditprogramm auf

Die Fed hat auf diese Krise reagiert und noch am Wochenende vor der Zinssitzung am Dienstag den Diskontsatz (nicht den Leitzins) um 25 Basispunkte gesenkt. Wichtiger ist aber, dass sie ein neues Kreditprogramm aufgelegt hat. Mit diesem soll gewährleistet werden, dass die großen Banken gegen entsprechende Sicherheiten unbegrenzt kurzfristige Kredite aufnehmen können. Damit soll der Liquiditätsengpass im Interbankenmarkt aufgefangen werden, denn nach dieser Pleite wird das Vertrauen unter den Banken noch weiter gesunken sein. Das Programm soll erst einmal für sechs Monate gelten.

Was machen die anderen US-Banken?

Nach diesen Nachrichten werden jetzt mit Spannung die Zahlen von Lehman Brothers und Goldman Sachs erwarten, die morgen veröffentlicht werden. Am Mittwoch folgt Morgan Stanley. Gerade Lehman Brothers könnte ebenfalls straucheln, da diese Bank auch viel mit Hypothekenpapieren zu tun hat. Goldman Sachs hatte allerdings schon gemeldet, dass die Quartalszahlen eher enttäuschend ausfallen werden.

Für den Dax wurde es noch schlimmer

Als wäre es nicht schon schlimm genug, schockte Siemens mit einer Gewinnwarnung in Höhe von 900 Mio. Euro den vorbörslichen Dax. Allein der darauf folgende Einbruch bei Siemens von 18 % machte mehr als 100 Punkte im Dax aus.

Das bedeutet aber auch, dass der Dax, lassen wir mal die Finanztitel beiseite, gar nicht „so sehr" unter die Räder gekommen ist - naja...

Es kann sein, dass wir also gerade im Dax den „finalen" Ausverkauf gesehen haben, den „Sell-Off", der den Markt bereinigt. Aber, wir befinden uns in der Verfallswoche und aus diesem Grund wäre ich vorsichtig - bis zum Verfall am Donnerstag ist noch alles möglich. Die wirkliche Richtung wird erst im Laufe der nächsten / übernächsten Woche vorgegeben werden.

Verbraucherpreise und Deflation

Eigentlich wollte ich etwas über die Verbraucherpreise vom Freitag schreiben, die unerwartet nicht angestiegen sind. Angesichts der dramatischen Nachrichten, geht dieses Thema leider etwas unter.

Wenn wir uns nun vorstellen, der Ölpreis wäre nicht weiter angestiegen, müsste man also tatsächlich mit weiter fallenden „Preisindikatoren" rechnen, sprich wir hätten tatsächlich ein deflationäres Szenario. Damit bestätigt sich nun das, was ich hier seit Monaten schreibe.

Weitere Konjunkturdaten weisen auf deflationäre Tendenzen hin

Dazu passt, dass die US-Kapazitätsauslastung im Februar nur bei 80,9 % liegt. Erwartet wurden Werte zwischen 81,2 und 81,3 %, nach 81,5 % zuvor. Auch die Industrieproduktion ist im Februar um 0,5 % gefallen. Analysten hatten mit einem Rückgang im Bereich 0,1 % gerechnet, nach + 0,1 % zuvor.

Eine sinkende Produktion und eine niedrige Kapazitätsauslastung sind ebenfalls typisch für ein deflationäres Umfeld (nur eine sinkende Nachfrage führt zu einer sinkenden Produktivität / Kapazitätsauslastung - eine niedrigere Nachfrage hat aber „normalerweise" sinkende Preisen zur Folge). Also auch hier zeigt sich immer deutlicher, dass das eigentliche Problem in den USA zurzeit „Deflation" heißt. Solange der Ölpreis aber weiter steigt und der Dollar fällt, wird dieses eigentlich gefährliche Szenario überdeckt. Und so lange keiner von Deflation redet, existiert das Problem auch nicht - offiziell.

Fed kann Zinsen munter weiter senken

Massive Zinssenkungen gelten generell als probates Mittel, um Deflation zu bekämpfen. Jetzt, mit diesen extremen Zinssenkungen (es wird mittlerweile damit gerechnet, dass die Fed morgen die Zinsen um bis zu 100 Basispunkte senkt), sollte natürlich die US-Wirtschaft wieder angefeuert werden. Und in diesem Fall wird nur dem geneigten Beobachter diese Gefahr einer Deflation aufgefallen sein. Geschickt gemacht, meine liebe Fed.

Die Märkte sind nämlich mit ganz anderen Problemen beschäftigt. Noch besser ist, dass aktuell wirklich niemand aufstöhnen wird, wenn die Fed die Zinsen weiter massiv senkt. Ohne die Kreditmarktkrise würden ansonsten bei derartigen Zinssenkungen alle über Deflation spekulieren. Doch wer auf die Zeichen achtet (Verbraucherpreise, schwacher Arbeitsmarkt, Produktion und Kapazität) erkennt das auch so.

Allerdings zeichnet sich gerade heute ab, dass die Rohstoffe unter Druck kommen. Offenbar wachen die Rohstoffspekulanten auf, und ihnen wird klar, dass eine schwache US-Wirtschaft auch ein sinkende Nachfrage nach Rohstoffen zur Folge haben könnte. Fallende Rohstoffpreise könnten schnell zu weiter fallenden Preisindizes führen. Das muss aber abgewartet werden.

Viele Grüße

Jochen Steffens


 

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