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» 22.04.2008 10:55: Insider im Fokus: Escada

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist schon schlimm. Bereits vergangene Woche war mit Flugmotorenbauer Thielert ein SDAX-Unternehmen mit Schwierigkeiten unser „Insider im Fokus", und auch in der aktuellen Ausgabe kommt der ausgewählte Wert nicht allzu gut weg. Denn der Luxusmode-Hersteller Escada musste vergangene Woche wegen der sich weiter eintrübenden Konjunkturlage seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 nach unten schrauben. Zwar soll das Nachsteuerergebnis noch leicht positiv ausfallen. Doch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte um etwa 25% einbrechen.

Bisher hatte der im SDAX notierte Modekonzern bei Umsatz und Ebitda Zuwachsraten im unteren einstelligen Prozentbereich anvisiert. Doch das ist längst nicht alles: Bei Escada kommt es derzeit schlicht und einfach knüppeldick. Am vergangenen Donnerstag zur Hauptversammlung in München tobten vor der Tür die Pelzgegner und drinnen die ungehaltenen Aktionäre. Hier mussten Vorstand und Aufsichtsrat Rede und Antwort stehen. Und sie hatten nicht nur den dramatischen Kursverfall der Aktien zu rechtfertigen. Dieser war tags zuvor auf ein vorübergehendes Vierjahrestief von 8,80 Euro gefallen. Noch vor zehn Monaten war der Anteilschein wie der nachfolgende Chart zeigt noch 35 Euro wert.

Chart

Zudem hatte man zu erklären, warum das Konzernergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz des anziehenden Luxusmarktes derart „mies" ausgefallen ist. Bei einem Umsatz von 686,1 Mio. Euro erzielte Escada in 2007 einen Verlust von 27,3 Mio. Euro erlitten. Das Ebitda betrug 68,2 Mio. Euro. Doch wesentlich schlimmer wogen in den Augen der Anleger und Analysten die bescheidenen Aussichten für 2008.

Unmittelbar nach der Gewinnwarnung reduzierte die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnote für Escada von „BB-„ auf „B+". Und obendrein verkündete sogleich die bislang interessierte Beteiligungsgesellschaft Apax ihre Übernahmeavancen an Escada für hinfällig. Die Einsicht in die Escada-Bücher scheint demnach wenig erbaulich gewesen zu sein. Der Rückzug des US-Finanzinvestors aus der löste obendrein eine erneute Gewinnwarnung des Unternehmens aus, denn nun ist selbst der letzte Fantasiegeber „Übernahme" von der Agenda verschwunden.

Und nun komme ich zu dem eigentlichen Hintergrund meiner „Insider-Story". Wie passen die nachfolgend aufgeführten, durchaus recht „üppigen" Insiderkäufe von Aufsichtsratsvorsitzenden, Vorstandsvorsitzenden und Finanzvorstand in diese Misere aus Gewinnwarnung und Aktienkursverfall.

Datum Name Insider Stellung Art Anzahl Kurs in Euro Volumen in Euro
11.04. Claus Mingers Aufsichtsratsvorsitzender Kauf 43.000 11,68 502.333
16.04. Claus Mingers Aufsichtsratsvorsitzender Kauf 10.500 9,54 100.179
15.04. Claus Mingers Aufsichtsratsvorsitzender Kauf 10.000 9,90 99.000
14.04. Claus Mingers Aufsichtsratsvorsitzender Kauf 9.500 10,37 98.540
15.04. Jean-Marc Loubier Vorstandsvorsitzender Kauf 2.000 9,60 19.200
15.04. Markus Schürholz Finanzvorstand Kauf 1.000 9,60 9.600

Interpretieren wir es einmal so: In Claus Mingers hat der Modekonzern einen Aufsichtsratevorsitzenden, der auch in der Schwäche weiter an seinen Konzern glaubt. Gegenüber seinen Aktionäre auf der Hauptversammlung verkündete er völlig optimistisch: „ Ich habe erst jüngst Aktien nachgekauft." Dass er damit einem richtig liegt, kann man im Augenblick sicher nicht ohne weiteres glauben, zumindest fällt es uns schwer. Denn aktuell überwiegt die Zahl der Escada-Gegner.

Fassen wir mal zusammen: Während sich die Konjunktur bei Luxusgütern gut entwickelt hat, verliert Escada massiv Marktanteile, schreibt rote Zahlen und der Aktienkurs bricht innerhalb eines Jahres um etwa 75% eingebrochen. Hinzu kommen Machtkämpfe im Vorstand und Aufsichtsrat und der jüngst gescheiterte Einstieg der Beteiligungsgesellschaft Apax. die Börsenaufsicht hat an die Tür geklopft und mögliche Investoren suchen das Weite. Und da hilft es eben wenig, wenn die Bosse sich in ihrer „Hoffnungen auf wieder bessere Zeiten" ihr privates Depot mit eigenen Aktien voll machen.

Die Börsenweisheit „nicht ins fallende Messer zu greifen", kann man im Augenblick bei Escada wirklich nicht unter den Tisch fallen lassen. Escada wird zurückkommen, doch erst wenn das Management ihren falschen Optimismus abgelegt hat, alle Unklarheiten beseitigt sind und der Aktienkurs einen Boden gefunden hat.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Börsentag.

Ihre
Cindy Bach


 

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