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» 17.04.2008 19:25: Was heißt hier bearish???

von Jochen Steffens

Ich hatte zwar geschrieben, die Sorgen nehmen zu, aber auch, dass es noch etwas zu früh ist, die Prognose eines starken zweiten Halbjahres aufzugeben. Eben weil wir es noch mit wichtigen Faktoren zu tun haben, die sich bullish auswirken (niedrige Zinsen, Präsidentschaftszyklus, etc).

Bemühen um Objektivität

Aber, und das ist sehr wichtig, ich tue alles, um mich nicht von den Stimmungen beeinflussen zu lassen. Oberstes Gebot in so einer fast schon chaotischen Situation ist es, nach objektivierbaren Kriterien zu suchen. Alles andere macht keinen Sinn. Schauen Sie sich nur die Tagesschwankungen an, das ist unglaublich. Kaum kommen halbwegs gute Nachrichten, explodiert der Aktienmarkt, Einzelaktien legen zu, als gäbe es morgen keine Aktien dieses Unternehmens mehr zu kaufen. Ebenso schnell gehen die Kurse auch wieder in den Keller, teilweise völlig unmotiviert.

Genau zur richtigen Zeit

Trotzdem, der gestrige Tag war ein wichtiger Tag, da er genau an der richtigen Stelle zu einem kleinen Trendwechsel mit stark steigenden Kursen führte. Damit wurde die beschriebene „123-Erholung" als Szenario denkbar. Diese muss aber noch bestätigt werden. Unter dem Strich bleibt es jedoch dabei: Das alles ist Geplänkel. Der Dax muss die 7100-Punkte-Marke nachhaltig überwinden, erst das ist ein wirklich positives Zeichen. Dazu ein interessanter Vergleich.

Dax im Jahr 2000

Dieses volatile Hin und Her erinnert mich an das Jahr 2000. Und genau der Dax-Chart aus dem Jahr 2000 belegt, warum es so immens wichtig ist, dass der Dax diese 7100 Punkte-Marke nachhaltig nimmt:

Chart

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen an die vielen Korrekturen in den letzten Jahren. Nahezu jedes Mal hatte ich geschrieben, dass richtige Tops in den meisten Fällen viel Zeit brauchen, um sich auszubilden. Bei einem plötzlichen und dramatischen Einbruch vom Hoch aus muss man tendenziell erst einmal von einer Korrektur/Konsolidierung ausgehen.

Mehrere Monate seitwärts

Im Dax kam es im Jahr 2000 nach dem eigentlichen Hoch erstmal zu einem Einbruch, der durchaus noch eine einfache Korrektur (mit direkter Fortsetzung des Aufwärtstrends) hätte sein können. Dann konsolidierte aber der Kurs in Form einer Seitwärtsbewegung, die über mehrere Monate anhielt. Seitwärtsbewegungen in Trends sind grundsätzlich erst einmal Fortsetzungsformationen. Obwohl die Seitwärtsbewegung sich unter dem letzten Hoch ausbildete, konnte man in dieser Zeit noch von einer normalen Konsolidierung ausgehen (allerdings mit leichten Zweifeln).

Ein erstes Warnzeichen

Damit diese Formation als Fortsetzungsformation durchgeht, müsste sie nach OBEN aufgelöst werden. Dass das nicht geschah, die Kurse also nach unten durchgereicht wurden, war ein erstes Warnzeichen.

Doch wirklich deutlich wurde die Gefährlichkeit der Situation erst, als sich keine neuen Hochs mehr bilden konnten. Ich habe hier die jeweiligen Hochs mit schwarzen Balken gekennzeichnet. Man sieht deutlich, dass sie wie Stufen abwärts gerichtet sind.

Marktpsychologisch bedeutet das, dass die Bullen keine Kraft mehr hatten, die Kurse auf neue Hochs zu bringen. Oder andersherum, dass eine große Anzahl von Spekulanten bereit war, in Gegenbewegungen zu immer niedrigeren Kursen auszusteigen, ohne abzuwarten, ob sich neue Hochs bilden. Das belegt den Verkaufsdruck und ist das eigentlich bearishe Zeichen.

Diese tieferen Hochs sind demnach die eigentlich gefährlichen Hinweise.

Nun zum aktuellen Dax:

Chart

Auch hier erkennen wir eine große Seitwärtsbewegung. Diese ist wie gesagt normalerweise erst einmal eine Fortsetzungsformation. Man musste also in dieser Seitwärtsbewegung davon ausgehen, dass die Kurse sich weiter nach oben entwickeln.

Einbruch in Sondersituation

Durch den überraschenden Einbruch im Zusammenhang mit der Schieflage einer großen Future-Position der Société Générale wurde diese Seitwärtsbewegung jedoch nach unten aufgelöst. Das ist natürlich auch ein Warnzeichen, insbesondere weil sich die gesamte Konsolidierung zu diesem Zeitpunkt bereits über 8-9 Monate hingezogen hatte. Da dieser Einbruch jedoch durch eine externe Ursache eingeleitet wurde, dürfte man diesen nicht überbewerten.

Fehlende dynamische Gegenbewegung

Auch das wäre also noch in Ordnung gewesen, aber danach hätte es zu einer dynamischeren Gegenbewegung kommen müssen. Das ist bei externen Ereignissen ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Auswirkungen des Ereignisses nicht von langer Dauer sind.

Typisch für Crashs: ein tieferes Tief

Aber diese ist ausgeblieben, es kam sogar zu einem tieferen Tief bei 6200 Punkten. Schaut man sich in diesem Zusammenhang andere Crashs an (ich hatte das hier im Investor's Daily mal dargestellt), ist auch dieses noch in Ordnung. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich nach einem derartig crashartigen Einbruch eine Art „Echo-Abwärtswelle", also ein zweites Tief bildet.

Auf die Gegenbewegung kommt es an

Doch jetzt wird es schwieriger. Wie ich hier geschrieben hatte, hätten die Kurse anschließend mindestens die 7040-7100 Punkte Marke erreichen müssen. Das haben sie aber nicht getan. Und damit bildete sich (bisher) ein weiteres tieferes Hoch. Und genau seitdem das passiert ist, fange ich an, mir so langsam Sorgen zu machen, wie Sie in den letzten Tagen festgestellt haben ("ich fange damit an" bedeutet noch nicht, dass ich bereits bearish bin !).

Noch ist nichts verloren

Denn noch gibt es einige Möglichkeiten, dass die Kurse diese 7100er Marke nachhaltig nach oben nehmen. Aber die Tatsache, dass diese Marke nicht bereits in einem Rutsch erreicht wurde, ist durchaus ein Zeichen von Schwäche.

Wirklich deutlicher wird das, wenn nun auch noch ein neues, tieferes Tief ausgebildet würde; der Dax also die 6200 Marke nach unten auflöst. In diesem Fall müssen die Sorgen einfach weiter zunehmen. Egal, was man denkt und was man hofft und was man fühlt. Denn das wäre ein klares Zeichen dafür, dass auch in der aktuellen Situation viele Spekulanten in den jeweiligen Gegenbewegungen bereit sind, ihre Position zu niedrigeren Kursen abzustoßen, statt auf ein neues Hoch zu warten.

Sie sehen, es kommt also tatsächlich auf die Gegenbewegung an.

Nun muss man nicht direkt in völlige Panik verfallen, wenn das Tief bei 6200 Punkten nach unten genommen wird. Als langfristig orientierter Anleger sollte man, wie ich das schon seit Mitte 2007 propagiere, einfach seine Positionen nach und nach bei weiter fallenden Kursen immer weiter runterfahren. Wenn sich hier keine Stärke ausbildet, sollte man damit etwas energischer fortfahren.

Erst wenn sich anschließend irgendwann ein neues höheres Hoch ausbildet, kann man damit beginnen, die Positionen ebenso langsam wieder aufzubauen.

Was heißt hier bearish?

Und trotzdem, aus charttechnischer Sicht ist eigentlich noch alles in Ordnung:

Chart

Aufgrund des langen Aufwärtstrends zuvor, den kaum eine größere Konsolidierung trübte, wird das Bild eigentlich erst wirklich bearisher, wenn der aktuelle Kurseinbruch mehr als 50 % des vorangegangen Trends wieder korrigiert. Diese 50 % Marke liegt bei 5170 Punkten.

Eine Korrektur bis zum 38,2%-Niveau, also bis zur 5870er Marke, würde demnach sogar noch eine bullishe Konstellation darstellen.

Also, was heißt hier bearish ???...

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

PS. Ich weiß, wenn man sich diese Charts ansieht, kann einem schon mulmig werden. Aber wie gesagt, noch muss man die Hoffnung auf ein starkes 2. Halbjahr nicht aufgeben. Noch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir gerade einen Boden ausbilden, höher

Quelle: Investors Daily


 

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