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» 16.04.2008 19:08: Das Ende aller Trends

Nicht nur die hohe Nachfrage aus China und anderen Emerging Markets hat zu dem starken Preisanstieg bei Öl und anderen Rohstoffen geführt, ein nicht unwesentlicher Teil ist auch dem schwachen Dollar geschuldet. Auch wenn der Dollar abwertet, behalten die Rohstoffe schließlich ihren realen Wert, gerade in einer Phase hoher Nachfrage. Also muss man mehr Dollar bezahlen, um die gleiche Menge an Rohstoffen zu erhalten. Mit anderen Worten, der Preis in Dollar steigt.

Dabei ist der hohe Ölpreis generell ein Faktor, der letzten Endes geeignet ist, die US-Börsen in Bedrängnis zu bringen.

Durch die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise weltweit sinken die Margen der Unternehmen. Die Produktionskosten steigen, aber diese Preissteigerungen können nicht 1 zu 1 auf die Kunden umgewälzt werden - ergo sinkt der Gewinn. Dabei hatte der schwache Dollar gerade auch für die amerikanischen Unternehmen durchaus auch Vorteile:

Optisch bessere Bilanzen

Bisher konnten die großen amerikanischen Unternehmen Einnahmedefizite in den USA durch ihre Einnahmen im Ausland ausgleichen. Dabei wirkte sich der Dollarverfall günstig aus.

Selbst wenn die Einnahmen in anderen Ländern konstant oder sogar leicht rückläufig gewesen sind, führten diese durch den Dollarverfall zu Gewinnsteigerungen in Dollar. „Real" wäre zwar in diesen Ländern zum Beispiel in Euro weniger eingenommen worden, aber die Zahlen umgerechnet in Dollar ergaben ein Umsatz- oder Gewinnwachstum. Meistens kam es jedoch im Ausland zu realen Umsatzsteigerungen, die sich entsprechend positiv auf die in Dollar ausgewiesenen Bilanzen auswirkten.

Nur so konnten die großen Unternehmen die Einbußen durch hohe Energie- und Rohstoffpreise zum Teil kompensieren, alles hat eben zwei Seiten.

Die Welt kauft in den USA

Ich habe mehrere interessante Informationen in den letzten Wochen erhalten:

  1. Man soll zurzeit kaum noch günstige Flüge in die USA erhalten. Es zieht die Menschen in die USA, da man aufgrund der Währungsunterschiede dort sehr preiswert Urlaub machen kann, aber auch Einkaufstouren sind zurzeit natürlich besonders reizvoll.
  2. Und so verwundert es nicht, dass ich von anderer Seite gehört habe, dass man kaum noch preiswerte Frachtkapazitäten für Waren aus den USA erhält. Bedingt durch den schwachen Dollar wird im Moment weltweit sehr viel Ware in den USA gekauft.

Auch das unterstützt natürlich die US-Unternehmen, so dass einige Bilanzen nicht ganz so schlecht ausfallen werden, wie man aufgrund der ganzen Krisen vielleicht erwarten könnte.

Intel war meiner Meinung nach ein schönes Beispiel für diese beiden oben genannten Effekte.

Was passiert, wenn der Dollar Stärke zeigt?

Ich frage mich nur, was passieren würde, wenn der Dollar wieder anfangen sollte, Stärke zu zeigen. Dann könnten diese Effekte schnell hinfällig werden, beziehungsweise sich ins genaue Gegenteil kehren.

Und dann würde es auf den Ölpreis ankommen. Wie gesagt, der Dollarverfall ist nur ein Aspekt der aktuellen Preissteigerung. Natürlich kommt auch noch die höhere Nachfrage hinzu, aber auch die Spekulation auf einen steigenden Ölpreis hat einen nicht unwesentlichen Einfluss:

Der Ölpreis gilt zurzeit unter US-Institutionellen als perfekter Hedge (Absicherung) gegen eine fallenden Dollar. Fällt der Dollar steigt der Ölpreis automatisch, wie gesagt, weil der Wertverfall des Dollars ausgeglichen werden muss. Fällt der Dollar jedoch nicht, kann Öl auch trotzdem weiter steigen, einfach aufgrund der höheren Nachfrage.

Das ist also aus Sicht eines US-Spekulanten eine perfekte Spekulation/absicherung, weil sie direkt zweifach abgesichert ist: Auf der Nachfrageseite und durch den schwachen Dollar.

Sollte der Dollar aber längere Zeit Stärke zeigen, könnte das auch den Ölpreis unter Druck bringen. Dieser Druck müsste zunächst nicht einmal besonders stark sein. Irgendwann würde dann die ganze Spekulationsblase im Öl in sich zusammensacken und zwar mit großer Wahrscheinlichkeit ziemlich heftig.

Ein Grund für große Spekulationsblasen

Leider haben wir hier wieder das große Problem des „Wann". Wir haben es im US-Immobilienmarkt gesehen. Die Blase war spätestens seit 2004 allgemein bekannt und dennoch dauerte es noch weitere 2-3 Jahre, bis sie endgültig platzte.

Das liegt unter anderem daran, dass sehr viele institutionelle Anleger „Trendfolge" in allen Bereichen als die perfekte Anlagestrategie ansehen. Das führt dazu, dass viel Trends deutlich länger laufen, als „normal" (was man auch immer an den Börsen als normal bezeichnen will).

Entstanden ist diese Trendfolge-Begeisterung dadurch, dass die hohe Liquidität gerade in den letzten Jahren zu Trends in allen Anlageklassen geführt hat. Eine Diversifikation, wie früher, war nicht mehr möglich/nötig, es stieg einfach alles an. So entstanden unglaublich viele Trends. Wenn man bis 1985 zurücktestet, wird man also in sehr vielen Anlageklassen "Trendfolger" als die Systeme mit den besten Ergebnissen finden.

Chart

Schaut man sich aber mal den Dax seit 2007 an (im S&P500 ist es ähnlich) erkennt man, dass wir uns seit April/Mai 2007 in Seitwärtsbewegungen befinden, also eigentlich bereits seit einem Jahr (würde man den massiven Einbruch, der durch die Fehlpositionierung bei der Société Générale ausgelöst würde, herausrechnen, wäre das Bild sogar noch eindrucksvoller)

Vielleicht erinnern Sie sich, ich hatte bereits Mitte letzten Jahres vor der Überbewertung der Trendfolgesysteme gewarnt, eben weil ich u.a. aufgrund des Präsidentschaftszyklus mit einer Seitwärtsbewegung gerechnet hatte.

Rohstoffe weiter im Trend

Seit Mitte letzen Jahres sind wenigstens die Rohstoffe teilweise noch weiter gelaufen. Aber auch bei Gold und Silber könnten sich nun, nach dem Einbruch derartige Seitwärtsbewegungen ausbilden. Passiert das, würden die Trends immer weniger und die Trendfolgesysteme der Institutionellen hören immer mehr auf zu funktionieren. Das ist leider eine typische Börsenlogik, immer wenn zu viele auf das gleiche System setzen, muss es scheitern. Dieses Scheitern kann sich nun auf alle Anlageklassen ausweiten.

Wie sehr diese Systeme scheitern, erkennt man im Moment auch daran, dass viele Hedge-Fonds, aber auch andere Fonds mit der aktuellen Situation nicht mehr klar kommen. Das Althergebrachte funktioniert einfach nicht mehr. Also weichen immer mehr auf die wenigen Trends aus, die noch funktionieren. Öl ist einer davon.

Starker Einbruch?

Die Frage ist also, kommt es im Öl zu einem starken Einbruch? Oder wird sich auch hier wie im Dax und im S&P500 oder vielleicht auch bei Gold und Silber eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau ausbilden?

Sollte der Ölpreis massiv sinken, wäre das ein Befreiungsschlag für die Märkte, der sich natürlich auch erst zeitversetzt auf die Wirtschaft auswirken würde (ca 6 Monate). Die Märkte könnten hingegen früher reagieren, da sie Entwicklungen vorweg nehmen.

In diesem Fall würden die Inflationszahlen kurzfristig wieder sinken. Das könnte der Fed Spielraum geben die Zinsen zu senken, bzw. niedrig zu halten.

Bleibt der Ölpreis jedoch auf hohem Niveau oder steigt weiter, frage ich mich, ob die Märkte noch die Kraft haben werden, einen eigenen neuen Aufwärtstrend auszubilden, der die Hochs aus 2007 überwinden kann.

Generell nehmen also die Sorgen zu, aber man sollte sich jetzt noch nicht grundsätzlich von dem Szenario eines starken 2. Halbjahr in den USA verabschieden.

Viele Grüße

Jochen Steffens

Quelle: Investor's Daily


 

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