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» 15.04.2008 20:08: Sind wir schon weiter als wir denken?

Wenn Sie mich schon länger lesen, wissen Sie, dass ich den ZEW-Index als Kontraindikator betrachte. Schließlich wird er unter 350 Finanzexperten erhoben, und auch bei diesen gilt: die Masse liegt immer falsch.

Den absoluten Tiefstand der letzten 10 Jahre hatte dieser Index natürlich genau im März 2003 mit minus 96 Punkten, also genau zu dem Zeitpunkt, an dem diese unglaubliche Rallye im Dax von ca. 2200 Punkten bis auf über 8000 Punkte startete. Und genauso leicht ist, es den absoluten Hochpunkt des ZEW-Index auszumachen. Dieser findet sich selbstredend mit 90 Punkten im Januar 2000, also kurz vor dem massiven Einbruch bis 2003.

Finanzexperten sind demnach auch nicht besser...

Wenn Sie also meinen, diese „Finanzexperten" könnten sich der Mainstream-Stimmung entziehen: nichts dergleichen... Warum das so ist, da doch eigentlich die meisten zumindest schon etwas von dem antizyklischen Ansatz gehört haben müssten, ist mir ein Rätsel. Ich will mich aber nicht beschweren - schließlich verdient man an den Börsen meistens nur dadurch, dass man besser ist als andere - aber das ist ein anderes Thema

ZEW-Index sinkt wieder unerwartet

Der ZEW-Index ist nach den neuesten Zahlen unerwartet gesunken, und zwar auf minus 40,7 Punkte.

Chart

Damit ist zwar noch nicht ein solcher Extremwert wie 2003 erreicht worden, aber natürlich hat auch der Dax noch nicht - wie 2003 - 75 % seit dem Hoch verloren. Angesichts des doch verhältnismäßig geringen aktuellen Dax-Rückgangs kann man bei diesen Werten schon von einer extrem schlechten Stimmung sprechen.

Das große Problem

Aber genau das ist mein Problem. Eigentlich spricht alles dafür, zu kaufen und zu kaufen und noch mehr zu kaufen. Banken, die unter Buchwert notieren, Aktien, die im Vergleich zum Rentenmarkt extrem preiswert sind, niedrigste Zinsen und Skepsis, Angst und trübe Stimmung.

Hinzu kommt, dass mittlerweile sogar ich skeptisch werde, und das liegt an zwei Faktoren:

1. Dax ohne Zeichen von Stärke

Mich stört, dass der Dax mit der letzten Aufwärtsbewegung seit dem Tief nicht einmal die 7000er Marke zurückerobern konnte, geschweige denn den alten Widerstand bei 7044 Punkten. Hätte der Dax das geschafft, wäre es ein erstes wichtiges Zeichen von Stärke gewesen. Das ist ausgeblieben. Der Einbruch der letzten Tage beweist demnach, dass die Bullen noch nicht genug Kraft haben.

Chart

Noch ist nichts verloren

Ich hatte gestern geschrieben, dass es nun noch einige Möglichkeiten für die Bullen gibt, die Kuh vom Eis zu bringen.

Als erstes wäre die bekannte 123-Erholung zu nennen (hier blau eingezeichnet). In diesem Fall sollten sich die Kurse auf dem aktuellen Niveau erholen und schnell das letzte kleine Hoch (hier die 2) nach oben überwinden.

Fallen die Kurse weiter, könnte es zweitens noch zu einer großen W-Formation kommen (grüne Linien). Ob es dann im Anschluss noch einmal zu einem Einbruch nach Erreichen der 7050er / 7100er Marke kommt (inverse SKKS) sei zurzeit einmal dahingestellt.

Allen diesen Varianten ist aber eines gemeinsam: Nur wenn die Kurse die 7044-7100 Marke nachhaltig nach oben nehmen, wird das Gesamtbild bullisher. Bis dahin ist leider immer noch alles möglich, auch deutlich tiefere Kurse.

2. Die große Seitwärtsbewegung

Wenn es wieder zu fallenden Kursen kommt, die Bullen also ihre Chancen nicht nutzen, müssen wir uns tatsächlich trotz niedrigster Zinsen, niedriger Bewertung und schlechtem Sentiment fragen, ob wir uns nicht bereits in der großen Seitwärtsbewegung befinden, die ich eigentlich erst frühestens ab 2009 erwartet hatte. Wie Sie wissen, sollte Auslöser dieser Seitwärtsbewegung das Ende der deflationären Effekte der Globalisierung sein.

Inflation überall

Und hier erschrecken mich die neuesten Nachrichten aus aller Welt. Überall nimmt die Inflation zu und zwar nicht nur (wie schon bekannt) aufgrund der Energie- und Nahrungsmittelpreise, sondern eben auch schon, weil die Ansprüche der Menschen in den Emerging Markets deutlich steigen. Das führt zu höheren Lohnforderungen, die wiederum die Kosten der Produktion zusätzlich belasten. Dieser Mix aus hohen Energiepreisen und steigenden Löhnen ist ein eindeutiges Zeichen, dass die ehemals deflationär wirkende Niedrigpreispolitik der Emerging Markets nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Hoher Ölpreis

Wenn der Ölpreis nicht bald sinkt, dann kann diese Inflationsentwicklung, die wir aktuell überall sehen, also tatsächlich schon der Anfang vom Ende des faktisch deflationären Zeitalters sein. Diese deflationären Effekte hatten es den Notenbanken ermöglicht, die Zinsen niedrig zu halten und damit zu den großen Bewegungen an den Börsen geführt.

Zugegebenermaßen wäre dieses Szenario damit etwas früher als erwartet eingetreten. Wobei diese beschleunigte Entwicklung auch mit der Kreditmarktkrise und den dadurch stark gesunkenen Zinsen in den USA sowie dem schwachen Dollar mitverursacht wird.

Die eigentliche Sorge

Und genau diese weltweit auftretende Inflation (und nicht etwa die Kreditmarktkrise) bereitet mir Sorgen. Die Kreditmarktkrise ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine vorübergehende Entwicklung. Der Eintritt in eine Phase der Inflation ist mit mindestens genauso hoher Wahrscheinlichkeit eine wesentlich nachhaltigere Entwicklung. Ich rede hier von mindestens 15-20 Jahre.

Und das alles wirft die Frage auf, ob es überhaupt noch zu der letzten massiven Rallye kommt, die ich erwarte.

Zu viele sind einer Meinung

Was mich dabei etwas bedenklich stimmt, ist, dass eigentlich alle mit einem Ende der Rallye Anfang 2009 rechnen. Immer wenn eine Idee Konsens geworden ist, muss man sich selbst wieder davon verabschieden. Also entweder war es das jetzt schon oder aber die Rallye verschiebt sich nach hinten und geht weit ins Jahr 2009 hinein. Dazu aber mehr in den nächsten Tagen...

Viele Grüße

Jochen Steffens

Quelle: Investor's Daily


 

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