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» 04.04.2008 18:22: Schlechte Arbeitsmarktdaten und der ISM-Index

Die Zahl der Beschäftigten (ohne Landwirtschaft) ist in den USA im März um 80.000 gesunken. Volkswirte hatten hingegen nur mit einem Rückgang um 40.000 bis 70.000 Stellen gerechnet. Der Vormonatsrückgang wurde von minus 63.000 auf nun minus 76.000 revidiert. Aber auch der Januarwert wurde von zuvor minus 17.000 auf ebenfalls minus 76.000 korrigiert.

Chart

Das ist, wenn man die Revision hinzurechnet, doch ein beachtlicher Stellenabbau. Damit ist sogar der Viermonatsdurchschnitt, hier rot dargestellt, mit 12.750 Stellen ins Minus gerutscht. Das letzte Mal notierte dieser im Mai 2001 im Minus und kam erst im Oktober 2003 wieder nachhaltig in den positiven Bereich. Solche Vergleiche stimmen bedenklich. Schaut man sich in dem Chart an, besteht ganz eindeutig ein Zusammenhang zwischen den Arbeitsmarktdaten und den Krisen und Haussen der letzten 10 Jahre. Droht also ein Einbruch wie 2000 -20003?

Ein nachlaufender Indikator?

Wie Sie wissen, hatte ich immer geschrieben, dass der Arbeitsmarkt ein „nachlaufender" Indikator ist. Das ist auch der Grund, warum sich so viele Analysten mittlerweile einig sind, dass wir uns bereits in einer Rezession befinden.

Mich hatte interessiert, wie stark „nachlaufend" der Indikator ist. Also habe ich die neu geschaffenen Stellen mit dem ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes verglichen. Rot der ISM Index, blau die neu geschaffenen Stellen:

Chart

Insgesamt weisen die beiden Kurven größtenteils eine klare Korrelation auf, das war natürlich auch nicht anders zu erwarten. Tatsächlich scheint es aber so, als ob der Arbeitsmarkt so um 3 -5 Monate zeitversetzt auf die Werte des ISM-Index reagiert. Während der ISM Index zum Beispiel bereits im August 2000 scharf unter die wichtige 50er Marke rutschte (Werte unter 50 weisen auf eine Kontraktion des Gewerbes hin), brauchten die neu geschaffenen Stellen bis Anfang 2001, um deutlich in die Minuszone abzurutschten.

Synchrone Entwicklung?

Zurzeit gehen beide Werte nahezu gleichzeitig „unter". Auch das ist interessant. Die Krise kam offenbar auch für die für den ISM-Index befragten 400 Einkaufsmanager „überraschend", während der Arbeitsmarkt schon reagierte. Das macht Sinn, schließlich ist der aktuelle Stellenabbau eine direkte Folge der Immobilienkrise. Die Heftigkeit dieser Krise hat vergleichsweise schnell dazu geführt, dass Bauarbeiter, Architekten, Immobilienmakler, Umzugsunternehmen, Mitarbeiter von Banken, Zulieferunternehmen, etc., etc. entlassen werden.

War der Immobilienmarkt in den Jahren 2002-2006 noch ein wichtiger Jobmotor, werden hier aktuell Stellen abgebaut. Und das führt unter anderem dazu, dass diese Zahlen aktuell derart negativ sind.

Interessanterweise sieht man aber, dass die neu geschaffenen Stellen in schönem Gleichklang mit dem ISM Index bereits seit 2004 nach und nach zurückgehen. Ich denke auch hier besteht ein Zusammenhang zwischen US-Immobilienmarkt ISM und Stellen.

Situation nicht mit 2000 zu vergleichen

Aber uns geht es darum, ob Ähnlichkeiten zu der Krise 2000-2003 bestehen. Wenn Sie im Chart oben die Entwicklung des ISM-Index und der neu geschaffenen Stellen in 2000 mit der heutigen Situation vergleichen, wird der Unterschied deutlich. Damals rauschte der ISM-Index ungebremst und sehr dynamisch von zuvor 58 Punkte auf 41 Punkten in den Keller. Es folgte eine Rezession, die sich im Prinzip aufgrund der Heftigkeit des Einbruchs vorhersagen ließ.

Aktuell sehen wir im Gegensatz dazu einen kontinuierlichen Abwärtstrend, wie gesagt, seit 2004.

Wie ist dieser Unterschied zu werten?

Die Frage ist, wie ist dieses Szenario zu werten. Ich habe in der Historie (siehe Chart unten) nachgeschaut und keine vergleichbare Entwicklung finden können. Also muss man sich „eigene Gedanken" machen.

Da diese Entwicklung langsam voranschreitet, muss man davon ausgehen, dass die nun folgende Rezession nicht die Tiefe entwickelt, wie die zwischen 2000 und 2003. Es ist selbst in Haussephasen nicht ungewöhnlich, dass der ISM-Index immer wieder auch unter die 50er Marke abrutscht:

Chart

In den Jahren 1990 - 2000 sehen wir immer wieder kurze Einbrüche unter die 50er Marke, die jeweils, wie wir heute wissen, dem großen übergeordneten Aufwärtstrend an den internationalen Börsen nichts anhaben konnte. Mit anderen Worten, so lange der ISM-Index nicht nachhaltiger und insbesondere tiefer unter die 50-Punkte-Marke abrutscht, können wir davon ausgehen, dass die Rezession nicht dramatisch wird. Natürlich ist das nur ein Hinweis, keine Garantie.

Es wird wichtig sein, wie sich der ISM-Index und der Arbeitsmarkt weiter entwickelt

Es wird demnach also wichtig zu beobachten, wie sich der ISM-Index weiter entwickelt. Rutscht er nicht weiter und insbesondere dynamisch Richtung 40 Punkte, sondern stabilisiert sich auf dem aktuellen Niveau, können wir davon ausgehen, das wir tatsächlich nur eine kurze rezessive Phase erleben. In diesem Fall wird sich wahrscheinlich auch der Arbeitsmarkt schnell wieder erholen; und das ist wichtig, da der Arbeitsmarkt eine wichtige Säule des Binnenkonsums in den USA ist.

Aus diesem Grund wurde die leichte Erholung des ISM-Index Anfang der Woche auch mit Kursgewinnen gefeiert, er nahm die Sorge eines weiteren nachhaltigen Einbruchs zumindest kurzfristig aus dem Markt.

Sollte jedoch der ISM-Index und dann wahrscheinlich auch der US-Arbeitsmarkt weiter abrutschen, müssen wir uns so langsam Sorgen machen. So gesehen sind die heutigen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt wiederum sehr bedenklich.

Ich bin gespannt, ob die Märkte nun spielen, dass diese schlechten Zahlen die Zinssenkungswahrscheinlichkeit wieder erhöht hat, oder aber doch eher auf Rezessionsängste spekulieren. Ich fürchte aber, dass der Markt angesichts der Zahlen hin- und hergerissen sein wird und entsprechend uneindeutig schließt.

Viele Grüße

Jochen Steffens

Quelle: Investors Daily


 

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