News & Berichte

 

» 05.02.2009 09:06: Zyklen der Verstaatlichung

Dass zwei angeschlagene Boxer noch lange keinen Champion ergeben, zeigt die

Bank of America. Der Aktienkurs ist gestern auf ein neues Verlaufstief gefallen

(Tagesverlust: -11 Prozent).

Offenbar hatte der CEO der Bank of America gegenüber Paulson und Bernanke im

Dezember die Übernahme von Merrill Lynch in Frage gestellt. Dies geschah, nachdem

Merrill höhere Verluste als erwartet bekanntgab. Daraufhin haben Paulson und Bernanke

den BoA-CEO nicht nur eindringlich gebeten, die Übernahme durchzuziehen, sondern das

Vorhaben mit zusätzlichen Finanzspritzen unterstützt.

Bank of America bei 4,70 US-Dollar, Citibank bei 3,50 US-Dollar: Der Markt spekuliert

auf eine Verstaatlichung der beiden größten US-Banken. Möglicherweise wird ein solcher

Schritt demnächst von der US-Administration angekündigt. Obama steht im Wort, die

Finanzkrisenproblematik mit einem „Urknall" lösen zu wollen. Unter einem Urknall stelle

ich mir eine direkt wirkende, klare, eindeutige und umfassende Lösung vor. So wie es

sich jetzt abzeichnet, wird ein Maßnahmenbündel mit sehr unterschiedlichen Angriffspunkten

auf den Weg gebracht werden, das mit starken Nebenwirkungen einhergehen

wird. Verstaatlichung und das Setzen Obergrenzen für Hypothekenzinsen (zwei mögliche

Inhalte des Pakets) bedeuten nicht nur eine Einschränkung des Wettbewerbs, sondern

eine Sozialisierung der Verluste und - wo vorhanden - Gewinne. Wer erinnert sich noch

daran, wie hart der Kampf in Europa zur Privatisierung staatlicher Monopole gefochten

wurde? Man denke z.B. an das Kommunikationsmonopol der deutschen Post.

Wie fast alles unterliegt auch das „ökonomische Vertrauen" Zyklen. Martin Armstrong hat

diesen Aspekt - wie auch Robert Prechter - immer wieder beschrieben.

Der zyklische Wechsel von einer Phase der Verringerung des staatlichen Einflusses

(Liberalisierung) zu einer Phase der Erhöhung des staatlichen Einflusses (vermehrte

staatliche Eingriffe bis hin zur Verstaatlichung) und wieder zurück ist auch langfristig

nachweisbar. Eine der längsten Phasen erdrückend staatlicher Einflussnahme war in

Westeuropa das Zeitalter des Absolutismus. Diese Phase endete in der französischen

Revolution, in der das Wort „Freiheit" („Liberté") zum Credo erhoben wurde.

Die jüngste Welle der Liberalisierung setzte - auf weltweiter Basis - nach dem Fall der

Mauer ein. Noch niemals zuvor befanden sich so viele Staaten gleichzeitig in einer

liberalisierten Welt (selbst in China gewann die Liberalisierung an Einfluss). Es gibt

Ökonomen, die darauf hinweisen, dass die aktuelle Rezession die erste globale Rezession

seit über 200 Jahren ist.

Der Grund ist klar, wenn man die obigen Ausführungen beachtet: So frei wie in den

vergangenen 20 Jahren waren die Staaten in ihrer Gesamtheit noch nie. Dem damit

verbundenen exorbitanten globalen Aufschwung folgte jetzt ein ebenso globaler

Abschwung. Dies beweist das Funktionieren von Konjunkturzyklen und auch die mit

diesen Zyklen verbundenen Schwankungen zwischen Liberalisierung und Verstaatlichung.

Das beruhigende: Der zunehmende staatliche Einfluss dürfte im nächsten nachhaltigen

Aufschwung wieder zurückgedrängt werden. Das Problem: Ein derartiger nachhaltiger

Aufschwung dürfte noch einige Jahre (wir rechnen mit vier bis fünf Jahren) auf sich

warten lassen.

Quelle: Wellenreiter Invest


 

Weitere News

News & Berichte
lade News & Berichte…
 

Mitglieder-Login


noch kein Mitglied?

 
Marktausblick

Marktausblick

Hier können Sie sich unseren wöchentlichen Marktausblick online ansehen.

» mehr

 
Online Trader-Ausbildung

Online Trader-Ausbildung

NEU: Mit unseren Online-Aus-
bildungen gibt es unsere hochwertigen Trader-Ausbil-
dungen jetzt auch per Video!

» mehr

 
Rundumdienstleistungen im Edelmetallshop

Gold & Silber Shop

Jetzt können Sie Gold & Silber auch online kaufen!

» Infos zum Shop