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» 19.06.2008 05:53: Börsenstrategie: Einfach und effektiv

 

von Tom Firley

Liebe Leser,

heute Morgen habe ich eine einfache, aber interessante Leserfrage erhalten.

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Hallo,

ich bekomme seit einiger Zeit den Investors Daily und den Dax Daily. Beide Newsletter gefallen mir sehr gut...
Was ich allerdings nicht wirklich aus den Informationen rauslesen kann, ob es nun auf oder abwärts geht. Würde es sich momentan lohnen, einen Teil meines Tagesgeldes auf eine Sicht von ca. 3 -5 Jahren an der Börse zu investieren? Bevorzugt in Investmentfonds, da ich nicht soo der Zocker bin. Denke der Deutsche Markt ist momentan interessant???

Wäre nett, etwas von Ihnen zu hören.

Vielen Dank und viele Grüße

Marko E.

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Gleich vorab: Der Day-Trader oder professionelle Analyst wird die folgende Darstellung vielleicht aufgrund der Langfristigkeit zu unspekulativ finden. Der fortgeschrittenere Börsianer kann die unten angesprochene Strategie auch ganz leicht auf kürzere Zeiträume anwenden. Also:

Wenig Risiko, wenig Zeit

Ich lese aus dieser Mail, dass Marko „mehr" aus seinem Festgeld machen möchte. Andererseits soll die Investition nicht sehr riskant sein und zu viel Zeit möchte er auch nicht in die Analyse stecken.

In letzter Zeit erhalte ich viele solcher Fragen, die genau auf diese Eigenschaften abzielen: Wenig Risiko, wenig Zeit, aber mehr Rendite als Festgeld...

Seitwärtsphase

Daneben liest Marko momentan nicht heraus, ob die Börsen nun auf- oder abwärts gehen. Gute Frage, wir befinden uns in einem Seitwärtstrend. Im Juli 2006, als ich zum General-Einstieg an den Weltbörsen blies, war die Lage einfacher, schließlich waren wir inmitten einer Hausse nach einer Korrektur.

Ob wir uns momentan auch (nur) in einer Korrektur befinden oder ob bereits ein nachhaltiger Abwärtstrend eingeläutet ist, lässt sich nicht beantworten, da wir uns - wie gesagt - in einem charttechnischen Niemandsland befinden. Zudem machen die ach so oft zitierten Krisen die Lage nicht gerade angenehmer und die Hände immer zittriger.

Daher würde ich jetzt momentan nicht mein ganzes sauer angespartes Festgeld in Aktien oder Investment-Fonds legen, in der Hoffnung, etwas mehr Rendite zu erwirtschaften. Und wenn ich dann auch noch wenig Zeit mitbringe, keine Stopps setzen möchte (oder kann), dann verbietet sich eigentlich ein komplettes Umschichten von Festgeld (das momentan immerhin 5,55% Zinsen bringt, siehe Zinsanlagen) in Fonds.

Gehen Sie davon, dass der Dax steigt

Aber ich habe Ihnen eine andere Überlegung mitgebracht. Wie gesagt, ich weiß nicht, wo die Börsen in drei oder fünf Jahren oder nächste Woche stehen. Wenn ich das wüsste (oder in der Vergangenheit gewusst hätte), dann würde ich jetzt Schafe in Neuseeland züchten oder Kinderbücher schreiben (die immerhin Paula, meine Tochter, lesen würde).

Allerdings bin ich der Überzeugung, dass der Dax irgendwann in der Zukunft wesentlich höher stehen wird als heute. Das ist schon einmal eine wichtige Prämisse. Ich weiß aber nicht, wann. Vielleicht in zwei Jahren, vielleicht in 10 Jahren, vielleicht hat sich der Dax bis 2010 auch verdoppelt.

Marko, gehen Sie auch davon aus, dass der Dax in der Zukunft irgendwann wesentlich höher stehen wird als heute?

Ja?

Ok, dann können wir weiter machen.

Die Hausfrauen-Strategie

Wenn Sie davon ausgehen, dass der Dax irgendwann höher stehen wird als in diesem Jahr, wir aber nicht wissen, wann das sei, bietet sich die „Hausfrauen-Strategie" an.

Nach dieser sehr einfachen Strategie legen Sie einfach zu einem festgelegten Zeitpunkt denselben Betrag in einen bestimmten Wert an. Das kann eine einzelne Aktie (nicht unbedingt ratsam), Gold (schon eher), Rohöl (kein Kommentar), Anleihen (Safety first) etc.etc. oder eben über Zertifikate ein ganzer Index sein. In unserem Falle ist es der Dax.

Dax Chart langfristig

Hierzu habe ich Ihnen im Schweiße meines Angesichts eine Tabelle erstellt. Wir gehen davon aus, dass Sie zu einem festen Zeitpunkt im Jahr einen festen Betrag in den Dax investieren.

Damit Sie nicht denken, ich mauschele hier etwas zusammen, um Ihnen die Anlage in Index-Zertifikate schmackhaft zu machen, nehmen wir einen „zufälligen" Zeitpunkt und zwar den Geburtstag meiner Tochter Paula. Es ist der 25. März (2007). Daneben gehen wir davon aus, dass Sie in den letzten 20 Jahren jeweils 1.000 Euro pro Jahr an genau diesem Tag in den Dax investiert hätten. Als Berechnungsgrundlage für die einzelnen Jahres-Renditen nehmen wir den gestrigen Dax-Schlusskurs, also 6.796 Punkte.

Jahr Dax 25. 3. prozentuale Rendite zu heute Einsatz in Euro Endstand in Euro Anlage-Jahre durchschnittliche Jahresrenditen Veränderung Dax zum Vorjahr
1988 1061 541% 1000 6405 20 9,73%  
1989 1303 422% 1000 5216 19 9,08% 23%
1990 1939 250% 1000 3505 18 7,22% 49%
1991 1515 349% 1000 4486 17 9,23% -22%
1992 1716 296% 1000 3960 16 8,98% 13%
1993 1657 310% 1000 4101 15 9,87% -3%
1994 2130 219% 1000 3191 14 8,64% 29%
1995 1946 249% 1000 3492 13 10,10% -9%
1996 2510 171% 1000 2708 12 8,65% 29%
1997 3349 103% 1000 2029 11 6,64% 33%
1998 5096 33% 1000 1334 10 2,92% 52%
1999 4860 40% 1000 1398 9 3,80% -5%
2000 7892 -14% 1000 861 8 -1,85% 62%
2001 5726 19% 1000 1187 7 2,48% -27%
2002 5317 28% 1000 1278 6 4,18% -7%
2003 2636 158% 1000 2578 5 20,85% -50%
2004 3811 78% 1000 1783 4 15,56% 45%
2005 4343 56% 1000 1565 3 16,10% 14%
2006 5912 15% 1000 1150 2 7,22% 36%
2007 6828 -0,47% 1000 995 1 -0,47% 15%
2008 6524   1000   0   -4%
Summe     21000 53222,31 20    

Falls die Tabelle in Ihrem Mail-Programm nicht optimal angezeigt wird, finden Sie diesen Beitrag auch unter Börsenstrategie

Zu den einzelnen Spalten:

In der zweiten Spalte (Dax 25.3.) sehen Sie die Dax-Stände in den jeweiligen Jahren.

Die dritte Spalte gibt die Gewinne der einzelnen Anlagen wieder. Das bedeutet: Hätten Sie im Jahre 1988 genau 1.000 Euro in den Dax investiert, dann hätten Sie per heute einen Gewinn von 541% erzielt (der Dax stieg in diesem Zeitraum von 1061 auf heute 6.796 Punkte).

In Spalte 5 sehen Sie den Endstand in Euro, also wie viel aus einer 1.000 Euro-Anlage in den jeweiligen Jahren bis heute geworden wäre.

Spalte 7 ist die entscheidende Spalte. Hier sehen die jeweiligen durchschnittlichen Jahresrenditen. Das bedeutet: Mit Ihrer ersten Investition von 1.000 Euro im Jahre 1988 haben Sie eine jährliche durchschnittliche Rendite von 9,73% erzielt. Sie hätten also logischerweise dasselbe Ergebnis erzielt, wenn es damals ein Sparbuch mit einer Verzinsung von 9,73 % gegeben hätte (gab es leider nicht...). Hier sehen Sie die Macht des Zinseszins. Eine Versechsfachung des Einsatzes (aus 1.000 Euro wurden 6.405 Euro) hört sich ja eigentlich schon mal ganz gut an. Auf diesen langen Zeitraum gesehen entspricht dies aber nur einer jährlichen Verzinsung von „nur" 9,73%.

In der untersten Zeile sehen Sie die gesamte Investition (21.000 Euro) und was bislang daraus geworden wäre (53.222 Euro). Sie erkennen:

Jedes Jahr ein Stück Dax-Kuchen

Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Sie kaufen sich jedes Jahr ein Stückchen vom Dax-Kuchen, egal ob sich die Börse in einem Boom befindet oder in einer gnadenlosen Baisse. Unterm Strich machen Sie Gewinne, wenn der Dax irgendwann in der Zukunft höher steht als heute.

Interessanter Effekt: Angenommen, Sie würden nach diesen 20 Jahren nicht mehr dieses Spielchen mitmachen und würde die Zertifikate einfach lassen. Schätzen Sie einmal, wie weit der Dax fallen müsste, damit Sie eine Null-Rendite einfahren, also nur die investierten 21.000 Euro zurückerhalten?

Auf 5.000 Punkte (per heute wären das minus 26%)?

Auf 4.000 Euro (minus 41%)?

Auf 3.000 Euro (minus 55 %)?

Nein, der Dax müsste auf 2.630 Punkte fallen, damit aus der Investition ein Nullsummenspiel wird. (Na ja, ist ja auch leicht auszurechnen, trotzdem finde ich das verblüffend).

Und wenn der Dax in diesem Jahr das Allzeithoch von 8.105 Punkten erreicht, steigt das Ergebnis auf 63.473 Euro.

Alles, was sie brauchen: Geduld

Wenn Sie also genügend Zeit mitbringen, wird sich diese einfache, fast schon zeitneutrale Investitionsmöglichkeit mit großer Wahrscheinlichkeit für Sie auszahlen. Schauen Sie sich einfach die durchschnittlichen Jahresrenditen an, immerhin besser als Festgeld (na gut, das ist dafür „sicher").

Natürlich gibt es unzählige Abwandlungen dieser Strategie (Die Dogs-of-the-Dow-Strategie ist hier wohl die bekannteste), diese ist die einfachste


 

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