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» 14.06.2008 11:10: Jetzt kommt es entscheidend auf die FED an

von Marcel Mussler

Was sich an den Märkten derzeit abspielt, basiert schlichtweg auf ganz brutalen intermarkettechnischen Zusammenhängen. Rekapitulieren wir:

Am Donnerstag in der letzten Woche hat die EZB für Europa eine zeitnahe Erhöhung der Leitzinsen in Aussicht gestellt. Das hat über eine weitere Ausweitung der Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA den Euro wieder angeschoben. Dies wiederum zog in gewohnter Manier die Rohstoffpreise mit nach oben. Am Freitag verstärkte sich nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten dieser Effekt dann noch, und der CRB-Index drohte fortan wieder, in unkontrollierter Form über seinen langfristigen Aufwärtstrendkanal nach oben auszubrechen. Auf diesen Zusammenhängen basieren auch die Panikerscheinungen vom letzten Freitag.

Ein Brief an Ben Bernanke

Was konnte da noch helfen? Eigentlich nur eines. Die FED mußte ihrerseits glaubwürdig vermitteln, daß sie sich nun ebenfalls ernsthaft der Inflationsbekämpfung und damit auch der wahren Gesundung des Systems annimmt. Ich habe am Wochenende an anderer Stelle daher auch einen offenen Brief verfaßt mit dem Titel. „Herr Bernanke, handeln Sie! Den Märkten zuliebe..." Ob Ben mich erhört hat? Nun, wahrscheinlich nicht mich, aber um so wahrscheinlicher seine „Eingreiftruppe". Denn die kann bekanntlich auch Charts lesen. Und sie hat auch gesehen, welche Stampede den Märkten über den CRB-Index jetzt droht. Kurzum: Die Verbalinterventionen Bernankes am Montag waren kein zufälliges Timing.

Und ganze zwei Tage lang haben die Märkte der FED ihre wie so oft wieder einmal butterweiche Erklärung abgenommen, zwei Tage lang bewegte sich die Spirale bis auf die Aktienmärkte tatsächlich rückwärts. Doch seit gestern Mittag verbreitete sich die Ansicht anerkannter amerikanischer Finanzmarktkommentatoren, daß es die FED im Grunde ihres Herzens eigentlich nur bei Verbalinterventionen belassen will, um die Märkte zu beruhigen. Doch genau das kaufen ihr die Märkte nicht ab, die Märkte lassen sich jetzt nicht mehr vertrösten und hinhalten. Die FED hat ein echtes Vertrauensproblem.

Sie kann zur Beruhigung der Lage jetzt eigentlich nur noch eines tun, nämlich handeln und nicht schwätzen, also die Zinsen erhöhen. Und das am besten sofort.

Wieso kann die FED mit einer Zinserhöhung die Lage beruhigen?

Wir haben ja gesehen, wie wenig den Aktienmärkten auch das schmeckt. Nun, ich habe ja schon ausgeführt, daß die Aktienmärkte derzeit letztlich nur noch zwischen zwei Übeln wählen können. Doch es geht darum, welches das geringere und in zweiter Konsequenz vor allem auch das heilsamere ist.

Wenn die immer schneller laufende Inflation und die Intermarketstampede mit willentlichen Zinserhöhungen im Zaum gehalten und letztlich auch abgewürgt werden kann, dann besitzen die Aktien immerhin verbesserte Chancen auf einen geordneten Rückzug. Wenn man die Dinge aber weiter und immer unkontrollierter laufen läßt, und darüber hinaus auch noch versucht, die Märkte wie kleine Kinder an der Nase herumzuführen, dann drohen schließlich auch die Aktienmärkte nicht nur geordnet zurückzufallen, sondern von einer regelrechten Panikwelle mitgerissen zu werden.

Das ist die Lage, wie sie sich meines Erachtens momentan darstellt. Und die Märkte sind in diesen Tagen hin- und hergerissen. Oder: Wer weiß heute schon, wie das Zins- und FED-Sentiment morgen aussehen wird... Gestern lief die Stampede jedenfalls schon wieder an.

Vorbild 80er Jahre

Doch kann die FED angesichts der konjunkturellen Risiken und der ohnehin geschwächten und labilen Wirtschaftslage überhaupt die Zinsen senken? Noch einmal, es geht um das geringere Übel.

Und die Inflationsbekämpfung sollte vorgehen. So sieht es ja auch die EZB, die den Ernst der Lage längst erkannt hat und die Rücksicht auf Amerika nun nach langen Monaten auch aufgekündigt hat.

Und wenn es dann eine Rezession gibt? Dann gibt es sie eben, um danach um so gestärkter aus ihr hervorzugehen. Es kann nicht immer Hochkonjunktur und Hausse sein. Das war noch nie anders. Der Monats-Macd läßt grüßen...

Ende der 70er Jahre bis Anfang der 80erJahre gab es eine ähnliche Phase. Auch damals galoppierte die Inflation, und das System kränkelte. 1979 wurde dann Paul Volcker Chef der US-Notenbank und leitete bis zum Sommer 1982 eine gezielte Hochzinsphase ein. Die 10j. US-Zinsen, die heute bei rund 4% stehen, notierten 1981 in der Spitze bei 16%! Aber es half.

Bereits Anfang 1980 platzte die Goldblase jener Jahre. Und der US-Dollar fand nach Jahren des Niedergangs zu alter Stärke zurück. Und die Aktien? Denen schmeckte diese Phase zunächst natürlich auch nicht. Aber sie sind nicht einmal kollabiert, sondern der Dow Jones konsolidierte in jenen Jahren zwischen 750 und 1.000 Punkten im Wesentlichen seitwärts.

Und wie wenig den Aktien die Gesundung des Systems am Ende geschadet hat, hat die anschließende gigantische Hausse der weiteren 80er Jahre höchst eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Also, nur Mut Ihr Notenbanker, und das weltweit. Je früher die wahre Gesundung des Systems beginnt, desto früher wird auch wieder Licht am Ende des Tunnels sein.

Quelle: Investor's Daily


 

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