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» 12.06.2008 08:02: Jetzt kommt es entscheidend auf die FED an

Was sich an den Märkten derzeit abspielt, basiert schlichtweg auf ganz brutalen intermarkettechnischen

Zusammenhängen. Rekapitulieren wir: Letzten Donnerstag hat die EZB für Europa eine zeitnahe

Erhöhung der Leitzinsen in Aussicht gestellt. Das hat über eine weitere Ausweitung der Zinsdifferenz

zwischen Europa und den USA den Euro wieder angeschoben. Dies wiederum zog in gewohnter

Manier die Rohstoffpreise mit nach oben. Am Freitag verstärkte sich nach den schwachen

US-Arbeitsmarktdaten dieser Effekt dann noch, und der CRB-Index drohte fortan wieder, in unkontrollierter

Form über seinen langfristigen Aufwärtstrendkanal nach oben auszubrechen. Auf diesen

Zusammenhängen basieren auch die Panikerscheinungen vom letzten Freitag.

Was konnte da noch helfen? Eigentlich nur eines. Die FED mußte ihrerseits glaubwürdig vermitteln,

daß sie sich nun ebenfalls ernsthaft der Inflationsbekämpfung und damit auch der wahren Gesundung

des Systems annimmt. Ich habe am Wochenende an anderer Stelle daher auch einen offenen

Brief verfaßt mit dem Titel. „Herr Bernanke, handeln Sie! Den Märkten zuliebe..." Ob Ben mich erhört

hat? Nun, wahrscheinlich nicht mich, aber um so wahrscheinlicher seine „Eingreiftruppe". Denn

die kann bekanntlich auch Charts lesen. Und sie hat auch gesehen, welche Stampede den Märkten

über den CRB-Index jetzt droht. Kurzum: Die Verbalinterventionen Bernankes am Montag waren

kein zufälliges Timing.

Und ganze zwei Tage lang haben die Märkte der FED ihre wie so oft wieder einmal butterweiche

Erklärung abgenommen, zwei Tage lang bewegte sich die Spirale bis auf die Aktienmärkte tatsächlich

rückwärts. Doch seit gestern Mittag verbreitete sich die Ansicht anerkannter amerikanischer Finanzmarktkommentatoren,

daß es die FED im Grunde ihres Herzens eigentlich nur bei Verbalinterventionen

belassen will, um die Märkte zu beruhigen. Doch genau das kaufen ihr die Märkte nicht

ab, die Märkte lassen sich jetzt nicht mehr vertrösten und hinhalten. Die FED hat ein echtes Vertrauensproblem.

Sie kann zur Beruhigung der Lage jetzt eigentlich nur noch eines tun, nämlich handeln

und nicht schwätzen, also die Zinsen erhöhen. Und das am besten sofort.

Wieso kann die FED mit einer Zinserhöhung die Lage beruhigen? Wir haben ja gesehen, wie wenig

den Aktienmärkten auch das schmeckt. Nun, ich habe ja schon ausgeführt, daß die Aktienmärkte

derzeit letztlich nur noch zwischen zwei Übeln wählen können. Doch es geht darum, welches das

geringere und in zweiter Konsequenz vor allem auch das heilsamere ist.

Wenn die immer schneller laufende Inflation und die Intermarketstampede mit willentlichen Zinserhöhungen

im Zaum gehalten und letztlich auch abgewürgt werden kann, dann besitzen die Aktien

immerhin verbesserte Chancen auf einen geordneten Rückzug. Wenn man die Dinge aber weiter

und immer unkontrollierter laufen läßt, und darüber hinaus auch noch versucht, die Märkte wie kleine

Kinder an der Nase herumzuführen, dann drohen schließlich auch die Aktienmärkte nicht nur geordnet

zurückzufallen, sondern von einer regelrechten Panikwelle mitgerissen zu werden.

Das ist die Lage, wie sie sich meines Erachtens momentan darstellt. Und die Märkte sind in diesen

Tagen hin- und hergerissen. Oder: Wer weiß heute schon, wie das Zins- und FED-Sentiment morgen

aussehen wird... Gestern lief die Stampede jedenfalls schon wieder an.


 

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